Anhang · Orte, die man heute besuchen kann

Auf seinen Spuren

Der Erker des Hauses, in dem er geboren wurde, die Bänke des Klassenzimmers, in dem er lernte, das Deck des Schiffes, das ihn nach Samsun brachte, das hölzerne Rednerpult des Parlaments. Die meisten Orte, an denen diese siebenundfünfzig Jahre vergingen, stehen noch. Zwanzig Stationen, von Thessaloniki bis zum Anıtkabir.

Aufbrechen

Diese Seite ist kein Reiseführer, sondern eine Erinnerung: was an welchem Ort geschah und was man dort heute sehen kann. Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Schließtage der Museen ändern sich häufig. Wir empfehlen, vor der Reise auf der offiziellen Seite des Museums oder in den Mitteilungen des Ministeriums für Kultur und Tourismus nachzusehen.

I – II · 1881–1914

Kindheit und Schuljahre

Zwei Städte, die heute innerhalb der Grenzen eines anderen Landes liegen, und die Schule in Istanbul.

Das Haus in Thessaloniki, in dem Atatürk geboren wurde
Thessaloniki · Griechenland

Sein Geburtshaus

1881 wurde er in diesem dreistöckigen Haus geboren; einen Teil seiner Kindheit verbrachte er hier. Das Haus steht heute direkt neben dem türkischen Generalkonsulat in Thessaloniki.

Heute: Museum. Nach einer umfassenden Restaurierung 2024–2025 wurde es im November 2025 wieder für Besucher geöffnet. Ausgestellt sind das Zimmer Zübeyde Hanıms, Gegenstände der Familie, die Gebetskette seines Vaters Ali Rıza Efendi und Stücke, die aus den Museen in Ankara geschickt wurden.

Foto: Ymblanter, CC BY-SA 4.0

Das Gebäude des Militärgymnasiums von Manastır, Bitola
Manastır (Bitola) · Nordmazedonien

Militärgymnasium von Manastır

Von 1896 bis 1899 lernte er hier. Sein Interesse an Literatur, Redekunst und Geschichte begann an dieser Schule.

Heute: Im Gebäude befindet sich das Museum von Bitola. Im Atatürk-Gedenkraum im Obergeschoss sind eine Wachsfigur, eine Büste und Dokumente aus seinen Schuljahren ausgestellt.

Foto: A. Kerim Şengel, CC BY 3.0

Das Gebäude des Militärmuseums in Harbiye, Istanbul
Harbiye · Istanbul

Militärmuseum Harbiye

Das ehemalige Gebäude der Kriegsschule (Mekteb-i Harbiye). Von 1899 bis 1905 lernte er hier, zuerst an der Harbiye, dann an der Kriegsakademie, und schloss als Generalstabshauptmann ab.

Heute: Militärmuseum. Das Klassenzimmer, in dem er lernte, ist in der Einrichtung jener Zeit wiederhergestellt. Das Museum empfängt in diesem Gebäude seit 1993 Besucher; auch die Vorführungen der Mehter-Kapelle finden hier statt.

Foto: Mirada, CC BY-SA 3.0

III · 1915

Çanakkale

Die ganze Halbinsel Gallipoli (Gelibolu) ist heute das Historische Gebiet der Schlachten von Çanakkale. Zwischen Soldatenfriedhöfen, Denkmälern und Schützengräben kann man zu Fuß umhergehen.

Die Mustafa-Kemal-Statue auf dem Conkbayırı
Conkbayırı · Eceabat, Çanakkale

Conkbayırı

Am 25. April 1915 warf er das 57. Regiment hierher und hielt so das Vordringen der bei Arıburnu gelandeten Kräfte auf. Am Morgen des 10. August, wieder hier, als er persönlich den Gegenangriff leitete, wurde ein Schrapnellsplitter, der ihn an der Brust traf, von der Uhr in seiner Tasche aufgehalten.

Heute: Auf dem Hügel erheben sich die Statue Mustafa Kemals, der mit dem Fernglas in der Hand steht, und türkische Denkmäler; gleich daneben steht das neuseeländische Denkmal. Der Blick auf den Golf von Saros und die Ebene von Anafartalar erklärt, warum um diesen Hügel gekämpft wurde.

Foto: 0959kedi, CC0

Verwaltung des Historischen Gebiets →
Friedhof des 57. Regiments, Gallipoli
Straße nach Arıburnu · Eceabat, Çanakkale

Friedhof des 57. Regiments und Kabatepe

Das 57. Infanterieregiment, das am 25. April 1915 auf Befehl Mustafa Kemals vorstürmte, erlitt an jenem Tag sehr schwere Verluste. Kabatepe ist das südliche Ende der Küste, an der die Landung stattfand.

Heute: Auf dem Friedhof des 57. Regiments stehen symbolische Grabsteine und ein Denkmal. Das Informationszentrum Çanakkale Destanı in Kabatepe erzählt seit 2012 in unterirdischen Sälen mit Nachstellungen vom Krieg.

Foto: Jorge Láscar, CC BY 2.0

Verwaltung des Historischen Gebiets →
IV – V · 1918–1922

Von Istanbul nach Anatolien

Vom Haus im besetzten Istanbul nach Samsun, in die Kongressstädte und an die Fronten.

Eingang des Atatürk-Museums in Şişli
Şişli · Istanbul

Atatürk-Museum Şişli

Von Dezember 1918 bis zum 16. Mai 1919 lebte er mit seiner Mutter und seiner Schwester in diesem Mietshaus. Hier wurden die Pläne für den Weg nach Anatolien besprochen; das sagt auch die Tafel über der Tür.

Heute: Museum der Stadtverwaltung Istanbul (İstanbul Büyükşehir Belediyesi); eröffnet am 15. Juni 1942. Halaskargazi Caddesi Nr. 140. Einen Teil seiner Gegenstände hat seine Schwester Makbule Hanım gestiftet.

Foto: VikiPicture, CC BY-SA 3.0

Die als Museumsschiff gebaute Nachbildung des Dampfers Bandırma in Samsun
Samsun

Dampfer Bandırma

Am 16. Mai 1919 verließ er Istanbul mit diesem Schiff, am 19. Mai landete er in Samsun. Das ursprüngliche Schiff wurde 1925 abgewrackt und verschrottet.

Heute: Die originalgetreu nachgebaute Kopie ist seit 2003 ein Museumsschiff. Im Juli 2026 wurde das Schiff von seinem alten Platz im Doğupark in den Bereich İstiklal Meydanı–Kurtuluş Yolu in İlkadım gebracht; die Eröffnung der neuen Anlage ist für Mai 2027 geplant. Bis dahin ist das Innere möglicherweise nicht zu besichtigen.

Foto (am alten Platz): Cobija, CC0

Havza · Samsun

Atatürk-Haus Havza

Das ehemalige Hotel Mesudiye, das er vom 25. Mai bis zum 12. Juni 1919 als Hauptquartier nutzte. Am 28. Mai wurde von hier das Rundschreiben von Havza verschickt, das dazu aufrief, mit Kundgebungen gegen die Besetzungen zu protestieren.

Heute: Atatürk-Haus-Museum. Ausgestellt sind der Telegrafenapparat, über den das Rundschreiben ging, eine Wachsfigur im Arbeitszimmer und eine Notiz, die er eigenhändig an den Landrat von Havza schrieb. Havza begeht jedes Jahr den 25. Mai mit einem Fest.

Ein aktuelles, frei lizenziertes Foto dieses Ortes haben wir nicht gefunden.

Die Kaserne Saraydüzü am Ufer des Yeşilırmak in Amasya
Amasya

Kaserne Saraydüzü

Am 12. Juni 1919 kam er nach Amasya. Am 22. Juni wurde in dieser Kaserne das Rundschreiben von Amasya verkündet, mit dem Satz „Die Unabhängigkeit der Nation wird wiederum der Wille und der Entschluss der Nation retten“.

Heute: Die 1944 abgerissene Kaserne wurde 2007 am Ufer des Yeşilırmak originalgetreu wieder aufgebaut. Sie wird als Museum des Befreiungskampfes und Kongresszentrum genutzt.

Foto: Dosseman, CC BY-SA 4.0

Das Kongressgebäude von Erzurum
Erzurum

Kongressgebäude Erzurum

Der Kongress von Erzurum, der vom 23. Juli bis 7. August 1919 tagte, fand in diesem Gebäude statt; Mustafa Kemal wurde zum Vorsitzenden des Kongresses gewählt. Vor dem Kongress war das Gebäude eine Schule.

Heute: Museum des Kongresses und des Befreiungskampfes Erzurum. Ausgestellt sind der Kongresssaal sowie Dokumente und Fotografien der Zeit. In der Stadt kann man auch das Atatürk-Haus besuchen, in dem er während der Kongresstage wohnte.

Foto: Zeynel Cebeci, CC BY-SA 4.0

Das Kongressgebäude von Sivas
Sivas

Kongressgebäude Sivas

Vom 4. bis 11. September 1919 tagte der Kongress von Sivas in diesem Gebäude, einem osmanischen Gymnasium, das damals als Oberschule diente. Hier wurden die Widerstandsvereine des ganzen Landes unter einem Dach vereint.

Heute: Atatürk-Kongress- und Ethnografiemuseum. Der Kongresssaal und das Zimmer, in dem er während des Kongresses wohnte, sind in der damaligen Einrichtung erhalten.

Foto: Haluk Cömertel, CC BY 3.0

Das Gebäude des Ersten Parlaments in Ulus, Ankara
Ulus · Ankara

Das Erste Parlament

Am 23. April 1920 wurde in diesem Gebäude die Große Nationalversammlung eröffnet. Von hier aus wurde der Befreiungskrieg geführt; hier wurde das Sultanat abgeschafft, hier wurde die Republik ausgerufen.

Heute: Museum des Befreiungskrieges (Kurtuluş Savaşı Müzesi). Der Parlamentssaal, die hölzernen Bänke der Abgeordneten und das Rednerpult sind erhalten. Das Gebäude wurde 1961 als Museum eröffnet und trägt seit 1981 diesen Namen.

Foto: Hajo-Muc, CC BY-SA 4.0

Die Mustafa-Kemal-Statue auf dem Kocatepe
Afyonkarahisar

Kocatepe

Am Abend des 25. August 1922 kam er auf den Kocatepe. Im Morgengrauen des 26. August leitete er die Große Offensive, die er von den steinernen Schützengräben hier aus verfolgte.

Heute: Auf dem Hügel stehen eine Statue Mustafa Kemals, die Schützengräben und Inschriften, die von jenem Morgen erzählen. Jedes Jahr im Morgengrauen des 26. August findet hier eine Gedenkfeier statt.

Foto: Ünaydın, CC BY-SA 3.0

Soldatenfriedhof Dumlupınar
Dumlupınar · Kütahya

Dumlupınar

Am 30. August 1922 wurde auf diesen Hügeln die Schlacht des Oberbefehlshabers gewonnen; die Hauptmacht der griechischen Armee wurde eingekesselt und besiegt. Am 30. August 1924 feierte er hier den Tag des Sieges (Zafer Bayramı).

Heute: Der Soldatenfriedhof Dumlupınar und seine Denkmäler im Historischen Nationalpark Başkomutanlık. Jedes Jahr am 30. August finden hier die Feiern zum Tag des Sieges statt.

Foto: Fatih Renkligil, CC BY-SA 4.0

VI · 1923–1938

Die Häuser der Republik

Parlament, Haus und Gut in Ankara; ein Grab in İzmir; die Villa in Trabzon; der Palast in Istanbul und zuletzt das Anıtkabir.

Das Gebäude des Zweiten Parlaments in Ankara, heute Museum der Republik
Ulus · Ankara

Das Zweite Parlament

Das vom Architekten Vedat Tek entworfene Gebäude wurde am 18. Oktober 1924 für das Parlament eröffnet. Im Oktober 1927 wurde der Nutuk sechs Tage lang in diesem Gebäude verlesen; die meisten Reformgesetze wurden hier angenommen.

Heute: Museum der Republik (Cumhuriyet Müzesi), seit dem 30. Oktober 1981. Der Plenarsaal ist in der Einrichtung jener Jahre erhalten.

Foto: Yiğit Can Günönü, CC BY-SA 4.0

Die Atatürk-Museumsvilla in Çankaya und ihre Umgebung, aus der Luft
Çankaya · Ankara

Atatürk-Villa Çankaya

Ein altes Weinberghaus. 1921 wurde es ihm geschenkt; von 1921 bis 1932 lebte und arbeitete er hier. Am Abend des 28. Oktober 1923 sagte er seinen Gefährten in diesem Haus, dass die Republik am nächsten Tag ausgerufen werde.

Heute: Atatürk-Museumsvilla des Präsidialamts; seit 1950 Museum. Da sie innerhalb des Präsidialgeländes Çankaya liegt, ändern sich die Besuchsbedingungen von Zeit zu Zeit.

Die Rosa Villa (Pembe Köşk) in Çankaya ist das Haus İsmet İnönüs; das Haus Atatürks ist dieses Weinberghaus.

Foto: aus dem Aufsatz von Tuğba Andaç Güzel und Hacı Hasan Efe, CC BY 4.0

Das Atatürk-Mustergut Orman Çiftliği im Jahr 1939
Ankara

Atatürk-Mustergut Orman Çiftliği

Das Mustergut, das er am 5. Mai 1925 in der kargen Steppe Ankaras gründete. Auf einem Boden, auf dem angeblich kein Baum wachsen konnte, ließ er Bäume pflanzen und Fabriken errichten. 1937 schenkte er das Gut der Staatskasse.

Heute: Das Gelände des Gutes, das als öffentliche Einrichtung betrieben wird, ist eine der größten Grünflächen innerhalb Ankaras. Die historischen Gebäude des Gutes und die Verkaufsstellen seiner Erzeugnisse können besucht werden.

Foto: 1939, Generaldirektion für Presse und Information, keine Einschränkungen

aoc.gov.tr →
Das Grabmal Zübeyde Hanıms in Karşıyaka, İzmir
Karşıyaka · İzmir

Grabmal Zübeyde Hanıms

Seine Mutter Zübeyde Hanım starb am 14. Januar 1923 in Karşıyaka und wurde am nächsten Tag hier begraben. Ihr Sohn konnte nicht rechtzeitig zur Beerdigung kommen; etwa zwei Wochen später stand er an ihrem Grab.

Heute: Ein Grabmal mit einem Bronzerelief Zübeyde Hanıms auf einem großen Felsen; seine heutige Gestalt erhielt es 1940. Jedes Jahr am 14. Januar und am Muttertag wird hier ihrer gedacht.

Foto: BSRF, CC BY-SA 4.0

Die Fassade der Atatürk-Villa in Soğuksu, Trabzon
Soğuksu · Trabzon

Atatürk-Villa Trabzon

Die Villa, die Mustafa Kemal sah und die ihm sehr gefiel, als er 1924 nach Trabzon kam; die Provinzverwaltung von Trabzon schenkte sie ihm 1931. Bei seinem letzten Besuch in Trabzon im Juni 1937 wohnte er hier. Am 11. Juni 1937, während er in dieser Villa war, gab er bekannt, dass er seine Güter der Staatskasse schenkte.

Heute: Museum der Stadtverwaltung Trabzon (Trabzon Büyükşehir Belediyesi). Nach der Restaurierung wurde es am 29. Oktober 2023 wieder für Besucher geöffnet.

Den Quellen zufolge ging die Villa nach seinem Tod an seine Schwester Makbule Hanım und in den 1940er Jahren an die Stadtverwaltung Trabzon über.

Foto: Selçuk Bağrışen, gemeinfrei

Die dem Bosporus zugewandte Fassade des Dolmabahçe-Palasts
Beşiktaş · Istanbul

Dolmabahçe-Palast

Am 1. Juli 1927, als er nach acht Jahren zum ersten Mal wieder nach Istanbul kam, wohnte er hier; in den folgenden Jahren verbrachte er hier seine Sommer in Istanbul. Am Morgen des 10. November 1938 um 9.05 Uhr schloss er in diesem Palast für immer die Augen.

Heute: Museum der Nationalpaläste (Millî Saraylar). Das Zimmer, in dem er seine letzten Tage verbrachte, ist erhalten. Auch der Festsaal (Muayede Salonu), in dem sein Leichnam für den Abschied des Volkes aufgebahrt wurde, kann besichtigt werden.

Foto: Mister No, CC BY 3.0

millisaraylar.gov.tr →
Anıtkabir, Ankara
Rasattepe · Ankara

Anıtkabir

Sein Leichnam blieb von 1938 bis 1953 im Ethnografischen Museum. Das von Emin Onat und Orhan Arda entworfene Anıtkabir wurde 1944–1953 erbaut, und am 10. November 1953 wurde er feierlich hierher überführt.

Heute: Die Löwenstraße (Aslanlı Yol), der Zeremonienplatz, das Grabmal (Sanduka) in der Ehrenhalle (Şeref Holü) und das Museum für Atatürk und den Befreiungskrieg. An jedem 10. November um 9.05 Uhr halten hier Menschen aus allen Teilen des Landes in stillem Gedenken inne.

Foto: Nicoleon, CC0

anitkabir.tsk.tr →
Rasattepe · 1941–1953

Anıtkabir: eine in Stein geschriebene Geschichte

Nach seinem Tod ruhte sein Leichnam fünfzehn Jahre lang in einem vorläufigen Grab im Ethnografischen Museum in Ankara. In diesen Jahren suchte die Nation nach einem Denkmal, das seiner würdig wäre.

1941 wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Aus der Türkei, Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Frankreich und der Tschechoslowakei kamen 49 Entwürfe. Die Jury schloss ihre Bewertung im März 1942 ab; am 7. Mai 1942 wählte die Regierung den Entwurf von Emin Onat und Orhan Arda. Die Begründung war, dass dieser Entwurf das nationale Thema am gelungensten behandle und sich am besten in den Rasattepe einfüge.

Der Grundstein wurde am 9. Oktober 1944 gelegt, der Bau am 1. September 1953 vollendet. Am 10. November 1953 wurde sein Leichnam in einer großen Zeremonie hierher überführt.

Das Anıtkabir besteht nicht aus vier Wänden und einigen Säulen. Es wurde als ein Weg gedacht, der den Besucher von unten nach oben führt, von der Menge in die Stille, von außerhalb der Trauer in seine Gegenwart. Unten erzählen wir diesen Weg in der Reihenfolge, in der der Besucher ihn geht.

Die Löwenskulpturen am Anfang der Löwenstraße im Anıtkabir
Die Löwen am Anfang der Löwenstraße. Foto: Kemal Kozbaev, CC BY-SA 4.0.
Die Komposition eines Denkmals

Den Weg entlang

Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf: zuerst die Trauer, dann die Nation, zuletzt er selbst.

  1. Der Besucher steigt über 26 Stufen zum Anıtkabir hinauf. Viele Quellen verbinden diese Zahl mit dem 26. August 1922, an dem die Große Offensive begann.
  2. Am Anfang des Weges stehen rechts und links zwei Skulpturengruppen. Nach der offiziellen Beschreibung stellen diese Gruppen den Schmerz der Nation über seinen Tod dar und bereiten den Besucher darauf vor, sich dem Grab mit Ehrfurcht zu nähern.
  3. Ein Weg von 262 Metern Länge und 12,80 Metern Breite. Zu beiden Seiten liegen 24 Löwen, im Kunststil der Hethiter, einer der alten Kulturen Anatoliens, gestaltet, paarweise, je zwölf auf jeder Seite. Ihre liegende Haltung drückt Kraft und Ruhe zugleich aus; im Volk werden sie auch als die 24 oghusischen Stämme gedeutet.
  4. 129 mal 84 Meter, er fasst 15.000 Menschen. Sein Boden besteht aus 373 Teppichmustern, die aus schwarzen, roten, gelben und weißen Steinen gelegt sind: Der Platz ist wie ein großer türkischer Teppich, der auf dem Boden ausgebreitet ist. Auch an der Decke der Säulengänge, die ihn umgeben, finden sich Kelimmotive.
  5. Jeder der zehn Türme rings um den Platz und den Weg hat einen Namen: Hürriyet (Freiheit), İstiklâl (Unabhängigkeit), Mehmetçik (so nennt man in der Türkei liebevoll den einfachen Soldaten), Zafer (Sieg), Müdafaa-i Hukuk (Verteidigung der Rechte), Cumhuriyet (Republik), Barış (Frieden), 23 Nisan (23. April), Misak-ı Millî (Nationalpakt) und İnkılâp (Reform). Die Reliefs und Inschriften in ihrem Innern wurden nach diesen Namen gewählt; zusammen erzählen die Türme den Weg vom Befreiungskampf zur Republik.
  6. Vom Platz steigt man über 42 Stufen zum Denkmalblock hinauf. Zu beiden Seiten der Treppe stehen zwei große Siegesreliefs: die Schlacht am Sakarya und die Schlacht des Oberbefehlshabers.
  7. Ein Saal, umgeben von 14,40 Meter hohen quadratischen Säulen, die Decke 17 Meter hoch. An den Seitenwänden brennen zwölf bronzene Fackeln. Gegenüber, in einer Nische, steht das Grabmal aus einem einzigen Stein, die Sanduka. Das ist der Stein, vor dem der Besucher in stillem Gedenken innehält.
  8. Sein eigentliches Grab liegt genau unter dieser Sanduka, in dem achteckigen Raum unter der Ehrenhalle. Der Raum ist wie die seldschukischen und osmanischen Grabbauten achteckig angelegt, seine Decke steigt pyramidenförmig auf und ist mit geometrischen Mosaiken geschmückt. Der Sarkophag aus rotem Marmor ist nach Mekka ausgerichtet. In den Messinggefäßen ringsum befindet sich Erde, die aus allen Provinzen der Türkei, aus Aserbaidschan und aus Zypern geschickt wurde. Ihn umgibt die Erde aus jedem Winkel des Landes.

    Diese Anordnung ist eine alte Tradition der türkischen Grabarchitektur. Die Grabtürme (Kümbet) der Seldschukenzeit wurden zweigeschossig gebaut: Der Tote wurde im unteren Geschoss beigesetzt, in dem Teil, der „cenazelik“ oder „mumyalık“ genannt wurde; im oberen Geschoss, dem Raum für die Besucher, befand sich die Sanduka, die über das Grab gesetzt wurde. Die TDV İslâm Ansiklopedisi vermerkt, dass sich die Tradition der Sanduka vor allem mit der seldschukischen Kultur verbreitete und die ältesten erhaltenen Beispiele dieser Kultur angehören. Auch im Mevlânâ-Mausoleum in Konya und im Mausoleum der seldschukischen Sultane im Hof der Alâeddin-Moschee ist es die Sanduka über dem Grab, vor der der Besucher steht. Das Kommando des Anıtkabir beschreibt die Grabkammer im Stil der seldschukischen und osmanischen Grabbauten; dass das Grabmal und das eigentliche Grab übereinander errichtet sind, setzt diese Tradition fort.
  9. Unter der Ehrenhalle liegt das etwa 3.000 Quadratmeter große Museum für Atatürk und den Befreiungskrieg; es wurde 1960 als Atatürk-Museum eröffnet und später zu seiner heutigen Form erweitert. Der Eingang liegt im Misak-ı-Millî-Turm. Hier sind die Gegenstände, die er benutzte, seine Kleidung, seine Marschallsuniform, ein Sportgerät, der Stander seines Dienstwagens und das Original der Hatay-Flagge, die er selbst zeichnete. Einen Teil der Gegenstände stifteten seine Adoptivtöchter Afet İnan, Rukiye Erkin und Sabiha Gökçen. Auch das Panorama von Çanakkale, die Säle über den Befreiungskampf und die Reformen sowie seine Bibliothek mit den Büchern, in denen er beim Lesen Stellen unterstrich und Notizen machte, befinden sich im Museum.
  10. In der Mitte des Säulengangs, der den Zafer- und den Barış-Turm (Sieg und Frieden) verbindet, ruht sein Waffengefährte İsmet İnönü. İnönü, der am 25. Dezember 1973 starb, wurde am 28. Dezember 1973 hier beigesetzt.
Aus allen Teilen des Landes

Die Steine eines Landes

Die Steine des Anıtkabir kamen nicht von einem einzigen Ort. Jeder wurde aus einem anderen Winkel Anatoliens herbeigebracht, mit seiner eigenen Farbe.

  1. Der weiße Travertin der Löwenstraße, des Zeremonienplatzes und der Treppen.
  2. Aus Kumarlı der weiße Travertin der Löwen, der Skulpturen und der Säulen; aus Boğazköprü der schwarze und rote Travertin der Turmböden.
  3. Der gelbe Travertin der Außenmauern, der Säulengänge und der Siegesreliefs neben der Treppe.
  4. Die cremefarbenen, roten und schwarzen Marmore des Bodens der Ehrenhalle.
  5. Der Marmor mit Tigerfellmuster an den Seitenwänden des Mausoleums und der weiße Marmor der Sarkophagkammer.
  6. Der grüne Marmor an den Innenwänden der Ehrenhalle.
  7. Zwei Blöcke aus einem Stück, aus dem Gâvur-Gebirge gebrochen, jeder etwa 40 Tonnen schwer: der Sarkophag.
Die Sprache der Architektur

Das Anıtkabir wurde im Geist der „Zweiten Nationalen Architekturbewegung“ der 1940er Jahre gebaut: Monumentalität, Symmetrie und Stein. Doch die eigentliche Sprache des Baus liegt im Stein. Die Steine, die aus allen Teilen der Türkei gebracht wurden, von Kayseri bis Hatay, von Çanakkale bis Bilecik, sind das Land, das er gründete, an einem Ort vereint.

Von Gallipoli in die Welt

Sein Name in der Welt

Die Nationen, die in Çanakkale aufeinander schossen, entschieden sich Jahre später, ihrer Toten gemeinsam zu gedenken. Am 25. April 1985 erkannte die Türkei den Namen der Küste bei Arıburnu offiziell als „Anzac Cove“ (Anzak Koyu) an; Australien und Neuseeland errichteten im Gegenzug auf ihrem eigenen Boden Denkmäler in seinem Namen.

Das Kemal-Atatürk-Denkmal in Canberra; dahinter das Australian War Memorial
Anzac Parade · Canberra, Australien

Kemal-Atatürk-Denkmal

In der Hauptstadt Australiens, genau gegenüber dem Australian War Memorial. Es wurde 1985 errichtet, im siebzigsten Jahr nach Çanakkale. Eine Mauer in Form eines Halbmonds; in ihrer Mitte Erde, die aus Gallipoli gebracht wurde; an der Mauer sein Bronzeporträt, geschaffen vom Bildhauer Hüseyin Gezer. Die Kiefern ringsum wurden aus den Samen der einzelnen Kiefer am Kanlısırt (Lone Pine) gezogen.

Heute: An der Anzac Parade ist es das einzige Denkmal, das im Namen eines einstigen feindlichen Befehlshabers errichtet wurde; es gedenkt der Soldaten beider Seiten gemeinsam. 2007 wurde es erneuert.

Foto: Mattinbgn, CC BY 3.0

Tarakena Bay · Wellington, Neuseeland

Atatürk-Denkmal

Auf der Miramar-Halbinsel in Wellington, auf einem Hügelkamm mit Blick auf das Meer. Es wurde im April 1990 eröffnet, im 75. Jahr nach Çanakkale. Ein marmorner Halbmond nach dem Entwurf des Architekten Ian Bowman; darin befinden sich Erde, die aus der Anzac Cove gebracht wurde, und eine Büste Mustafa Kemals. Die neuseeländische Regierung hatte, als Erwiderung auf das, was die Türkei an der Anzac Cove getan hatte, hier auch ein Denkmal für die türkischen Soldaten gewünscht.

Heute: Jedes Jahr am Anzac Day findet auch hier eine Gedenkfeier statt.

King George Sound · Albany, Westaustralien

Atatürk-Kanal

Im November 1914 liefen von diesem Hafen die Schiffe aus, die die ersten Soldaten Australiens und Neuseelands in den Krieg brachten. Am 25. April 1985 erhielt die Einfahrt des Princess Royal Harbour, als Erwiderung auf den Namen Anzac Cove, offiziell den Namen „Atatürk-Kanal“ (Atatürk Entrance).

Heute: Seit 2002 steht auf dem Hügel über dem Kanal eine lebensgroße Statue von ihm.

Neu-Delhi · Islamabad · Dhaka · Marsa · Guayaquil

Straßen, die seinen Namen tragen

In Neu-Delhi trägt die Straße, die von Chanakyapuri, wo sich die Botschaften befinden, ins Stadtzentrum führt, den Namen „Mustafa Kemal Atatürk Marg“. In Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, gibt es die Atatürk-Allee (Ataturk Avenue), in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, ist die Hauptstraße des Stadtteils Banani die Kemal-Atatürk-Straße. In der maltesischen Ortschaft Marsa erhielt 2025 eine Straße nahe dem historischen türkischen Soldatenfriedhof seinen Namen; auf dem Schild an ihrem Anfang steht „Yurtta sulh, cihanda sulh“ („Frieden im Land, Frieden in der Welt“). Auch in Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors, wurde 2026 eine Straße nach Atatürk benannt.

Alle drei dieser Länder standen einst unter britischer Kolonialherrschaft.

Gallipoli · Canberra · Wellington · Albany

An die Mütter in fernen Ländern

Auf all diesen Denkmälern stehen dieselben Worte. Die Worte wenden sich an die feindlichen Soldaten, die in Çanakkale starben, und an ihre Mütter.

Der in der Türkei bekannte türkische Text lautet:

„Ihr Helden, die ihr euer Blut auf dem Boden dieses Landes vergossen habt! Hier seid ihr im Boden eines befreundeten Landes. Schlaft in Frieden und Ruhe. Ihr liegt Seite an Seite, Arm in Arm mit den Mehmetçiks. Ihr Mütter, die ihr eure Kinder aus fernen Ländern in den Krieg geschickt habt! Trocknet eure Tränen. Eure Kinder ruhen an unserer Brust. Sie sind in Frieden und werden in Frieden ruhen. Nachdem sie auf diesem Boden ihr Leben gelassen haben, sind sie nun auch unsere Kinder geworden.“

Auf den Denkmälern mit dem Namen Atatürk und dem Jahr 1934 versehen

Die Inschrift an der Anzac Cove wurde am 25. April 1985 in englischer Sprache angebracht; im selben Jahr wurde sie auch auf dem Denkmal in Canberra auf Englisch eingeschrieben.

Wessen Worte sind das?

Dass die Worte von Atatürk stammen, ist nicht sicher; die Historiker sind darüber unterschiedlicher Meinung.

Bis heute wurde kein Text aus dem Jahr 1934 gefunden, der aus seiner Hand stammt. Die älteste bekannte Quelle des Textes ist ein Interview, das der frühere Innenminister Şükrü Kaya am 10. November 1953 der Zeitung Dünya gab. Kaya erzählte darin, er habe 1934 in Gallipoli eine von Atatürk geschriebene Rede in dessen Namen verlesen. Auch die türkische Botschaft in Canberra stellt die Worte als Botschaft vor, die Şükrü Kaya am 18. März 1934 im Namen Atatürks verlas.

Australische Forscher hingegen schreiben, dass sich in den Zeitungen von 1934 keine Spur einer solchen Rede finde. Der türkische Forscher Cengiz Özakıncı vertrat 2015 die Ansicht, dass die Worte nicht von Atatürk stammen; auch die Historikerin Burcu Çevik-Compiègne meint, dass Şükrü Kaya den Text verfasst habe. Den Satz „Zwischen den Johnnies und den Mehmets gibt es keinen Unterschied“, der im englischen Text der Denkmäler steht, fügte 1978 Alan J. Campbell hinzu, der in Brisbane ein Denkmal vorbereitete; dieser Satz steht nicht im türkischen Text.

Eines ist noch durch Dokumente belegt: In einer Botschaft an die Zeitung Daily Mail, die am 25. April 1931 in Brisbane erschien, sagte Atatürk, die Türken würden der Anzac-Toten in Gallipoli immer gedenken.

Sicher ist dies: Die Türkei, Australien und Neuseeland schrieben 1985 diese Worte mit seinem Namen in Stein. Die Nationen, die sich in Çanakkale gegenüberstanden, entschieden sich mit diesen Worten, ihrer Toten nicht in Feindschaft, sondern in gemeinsamer Trauer zu gedenken.