Die Erinnerungen wurden aus der Sicht derer geschrieben, die ihn aus der Nähe kannten; deshalb sind sie wertvoll und zugleich persönlich. Manche erzählten mit Bewunderung, manche mit Kränkung, manche trugen beides zugleich in sich.
In Anführungszeichen stehen hier nur Worte, die an ihrer Quelle überprüft wurden. Alles andere ist eine kurze und getreue Zusammenfassung dessen, was sie in ihren Büchern erzählen; das haben wir jedes Mal mit „erzählt“ kenntlich gemacht.
Salih Bozok
1881–1941 · Im selben Jahr in derselben Stadt geboren; im selben Viertel aufgewachsen, entfernt mit ihm verwandt. Er besuchte die militärische Mittelschule und das Militärgymnasium und war danach viele Jahre sein erster Adjutant.
In seinen Erinnerungen erzählt er, ausgehend von der gemeinsamen Vergangenheit zweier Kinder in Thessaloniki, mit den Augen eines engen Freundes von einem Leben, das von Tripolitanien über den Befreiungskampf bis nach Çankaya reicht. An fast allen Wendepunkten seines Lebens war er an seiner Seite; auch in seinen letzten Tagen war er in Dolmabahçe.
Ali Fuat Cebesoy
1882–1968 · Mitschüler an der Kriegsschule Harbiye und an der Kriegsakademie, im Befreiungskampf Befehlshaber der Westfront, später Botschafter und Parlamentspräsident.
In seinem Buch über die Schuljahre erzählt er, wie der Harbiye-Schüler Mustafa Kemal Namık Kemal las und wie ihn dessen Gedanken über Heimat und Freiheit prägten. Er schreibt auch, dass sein eigener Vater, İsmail Fazıl Pascha, diesen Freund seines Sohnes wie ein eigenes Kind liebte.
Otto Liman von Sanders
1855–1929 · Deutscher General, Befehlshaber der osmanischen 5. Armee, die Çanakkale (Gallipoli) verteidigte. Am Abend des 8. August 1915 übertrug er Oberst Mustafa Kemal das Kommando über alle Einheiten bei Anafartalar.
„Mustafa Kemal, der seine ersten militärischen Erfolge in der Cyrenaika [in Tripolitanien] errungen hatte, war ein Befehlshaber, der Verantwortung liebte. Am Morgen des 25. April hatte er mit der 19. Division aus eigener Initiative angegriffen und den vorrückenden Feind bis an die Küste zurückgeworfen.“
Gegen Ende des Krieges, als sie sich an der syrischen Front wiederbegegneten, spricht er von ihm als „diesem ausgezeichneten General, den ich aus dem Feldzug von Çanakkale kannte“.
Ruşen Eşref Ünaydın
1892–1959 · Schriftsteller und Journalist; später Abgeordneter und Botschafter. Verfasser des Gesprächs, das Mustafa Kemal den türkischen Lesern zum ersten Mal vorstellte.
Vom 24. bis 28. März 1918 sprach er in dessen Haus in Akaretler, Beşiktaş, tagelang mit dem Kommandanten von Anafartalar. In diesem Gespräch erzählt Mustafa Kemal, dass er seinen Soldaten am Morgen des 25. April 1915 am Conkbayırı nicht den Angriff, sondern das Sterben befohlen habe: In der Zeit, die vergehen würde, bis sie gefallen wären, so hatte er gedacht, könnten an ihrer Stelle andere Kräfte und Kommandeure eintreffen.
Kâzım Karabekir
1882–1948 · Kommandeur des XV. Korps; der Befehlshaber, der den Sieg an der Ostfront errang. In späteren Jahren trennten sich seine Wege von denen Mustafa Kemals.
In seinen Erinnerungen erzählt er, dass er, nachdem Mustafa Kemal von seinem Amt und aus der Armee zurückgetreten war, der Forderung Istanbuls, ihn zu verhaften und das Kommando zu übernehmen, nicht nachkam und mit seinem Korps an seiner Seite blieb. Dasselbe Buch schildert aus seiner eigenen Sicht auch ausführlich die Meinungsverschiedenheiten, die in späteren Jahren aufkamen.
Halide Edib Adıvar
1884–1964 · Romanautorin. 1920 floh sie aus Istanbul nach Ankara; sie wirkte bei der Gründung der Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı mit und diente an der Sakarya und in der Großen Offensive in der Armee, zuerst im Rang eines Gefreiten, dann eines Oberfeldwebels.
In ihren Erinnerungen an den Befreiungskampf schildert sie Mustafa Kemal in jenen ersten Monaten in Ankara stets als einen maßvollen, geordneten und beherrschten Menschen; ihre Bewunderung für seinen Willen, der eine ganze Bewegung allein schulterte, verbirgt sie nicht. Dasselbe Buch trägt auch die Spuren der tiefen politischen Trennung, die in späteren Jahren zwischen sie trat; die englische Ausgabe ist mit einer kritischeren Stimme geschrieben als die türkische.
Falih Rıfkı Atay
1894–1971 · Journalist und Schriftsteller. Im Ersten Weltkrieg war er an der syrischen Front bei Cemal Pascha; in den Jahren der Republik leitete er die Zeitungen Hâkimiyet-i Milliye und Ulus und war viele Jahre Abgeordneter.
In seinem Buch, das er dreiundzwanzig Jahre nach Atatürks Tod veröffentlichte, erzählt er dessen Leben von Thessaloniki bis Dolmabahçe. Die lebendigsten Seiten des Buches sind die Abende, an denen in langen Nächten am Tisch über die neue Schrift, die neue Geschichte, die neue Sprache diskutiert wurde. Atay schreibt über ihn nicht wie über ein Denkmal, sondern wie über einen Menschen, der denkt, fragt, zornig wird und müde wird.
Afet İnan
1908–1985 · Seine Adoptivtochter; Lehrerin, später Professorin für Geschichte. Unter den Gründern der Türkischen Historischen Gesellschaft (Türk Tarih Kurumu).
In ihren Erinnerungen erzählt sie, wie sie ihn 1925 in İzmir als junge Lehrerin kennenlernte, und von den Unterrichtsstunden und Gesprächen danach in Ankara. Mit Dokumenten belegt sie, wie die Notizen entstanden, die Atatürk für den Staatsbürgerkundeunterricht eigenhändig schrieb, und wie aus diesen Notizen später das Buch Vatandaş İçin Medeni Bilgiler wurde.
Sabiha Gökçen
1913–2001 · Seine Adoptivtochter; die erste Militärpilotin der Türkei.
Sie erzählt, dass Atatürk nach dem Familiennamengesetz jeden Abend am Tisch für einen Freund, einen Angehörigen einen Familiennamen fand. Als die Reihe an ihr war, hatte er „Gökçen“ auf ein Blatt Papier geschrieben. Damals hatte sie noch nicht zu fliegen begonnen; mit der Pilotenausbildung begann sie etwa ein Jahr später.
„Warum, mit welchem Gedanken Atatürk mir diesen Familiennamen gegeben hatte, weiß ich nicht.“
Kılıç Ali
1888–1971 · Einer der Organisatoren der Verteidigung von Antep, Abgeordneter; viele Jahre im engsten Kreis um Atatürk.
In seinen Erinnerungen, die er dem Journalisten Hikmet Bil erzählte, schildert er mit den Augen eines Vertrauten, beginnend mit den ersten Monaten des Befreiungskampfes, den Alltag in Atatürks Umgebung, die Tischrunden, die Reisen und die Tage seiner letzten Krankheit.
Hasan Rıza Soyak
1890–1970 · Generalsekretär des Präsidialamts; der Mann, der in seinen letzten Jahren jeden Tag an seiner Seite war.
In seinen Erinnerungen erzählt er von den letzten Monaten der Krankheit und von der Geschichte des Testaments. Am 6. September 1938 hatte Atatürk in einem Zimmer, in dem er selbst und der Arzt Neşet Ömer İrdelp anwesend waren, den verschlossenen Umschlag mit seinem Testament dem Notar İsmail Kunter übergeben. Unter dem Protokoll standen die Unterschriften aller vier.
Viele „Lobesworte“ über Atatürk, die im Internet kursieren, sind Sätze, die ausländischen Staatsmännern zugeschrieben werden, aber in keinem Dokument vorkommen. Auf diese Seite wurde kein Zeugnis aufgenommen, dessen Quelle sich nicht nachweisen lässt.